MASTERING FOR SPOTIFY - Feinklang Mastering

Blog

22 December 2021

MASTERING FOR SPOTIFY

Dass du unterschiedliche Master für CD, Vinyl oder Tape brauchen ist bekannt. Aber brauchst du auch ein separates Master für unterschiedliche Streaming Dienste?

 

Die technischen Voraussetzungen & Wandlungen

 

Zum beantworten dieser Frage macht es Sinn, sich anzuschauen, was die jeweiligen Anbieter für technische Anforderungen an deinen Track haben und in welches Format dieser dann gewandelt wird. Dabei sind nicht alle Dienste gleich. Welcher Service welche technischen Voraussetzungen hat und in welche Formate diese gewandelt werden, kannst du hier sehen.

 

Input Format

 

Anbieter

Bit Tiefe

Samplerate

Dateiformat

Spotify

16 bit

44.1kHz

wav

Apple Music

16 / 24 bit

bis 96 kHz

wav

Tidal

16 / 24 bit

bis 192 kHz

wav

Deezer

16 bit

44.1 kHz

wav

YouTube

16 / 24 bit

44.1 / 48 kHz

wav

 

Output Format

 

Anbieter

kbps

Format

Spotify Paid

320 kbps

OGG

Spotify Free

160 kbps

OGG

Apple Music

256 kbps

AAC

Tidal HiFi Plus / MQA

bis 9216 kbps*

FLAC

Tidal Hifi

1411 kbps

FLAC

Tidal High

320 kbps

AAC

Deezer HiFi

1411 kbps

FLAC

Deezer Premium

320 kbps

MP3

Deezer Free

128 kbps

MP3

YouTube

320 kbps

AAC-LC

 

* ist abhängig vom Input Format. 9216 kbps entspricht hier einer 24bit / 192kHz Datei.

 

Jedes Kompressionsverfahren, ob OGG, AAC, oder MP3 bedeuten eine Datenreduzierung und damit einen Headroom Verlust. Wenn du deine Files also bei 0 dB FS true peak ausspielst, riskierst du Clipping und Verzerrung im weiteren Verarbeitungsprozess.

 

Lautheit und Level Normalisierung

 

Was neben den Input und Output Formaten eine größerer Relevanz für das Master hat, ist die unterschiedliche Behandlung der Lautstärke. Dazu stützen sich alle Services auf die Bewertung nach LUFS (~ loudness units relative to full scale). 1 LU entspricht dem relativen Wert von 1 dB. FS bedeutet Full Scale und meint die digitale Obergrenze von 0 dB. Zur besseren Bewertung der tatsächlich empfundenen Lautstärke wird mit LUFS die Betrachtung der Lautstärke über die Dauer eines Titels vorgenommen, statt mit dem momentären RMS oder Peak Wert.

 

Um beim Abspielen verschiedener Interpreten und Titel eine gleich bleibende Lautheit zu gewährleisten, verwenden Streaming Services schon seit vielen Jahren eigene Lautstärke Normalisierung. Die Titel werden analysiert und entsprechend dem Zielwert angepasst. Laute Titel werden leiser und z.T. auch leise Titel lauter gemacht. Eine Übersicht der aktuellen LUFS Zielwerte der unterschiedlicher Streaming Dienste (Stand 12/2021) siehst du hier:

 

-11 LUFS Spotify Loud

-14 LUFS Spotify Normal, Tidal, YouTube

-15 LUFS Deezer

-16 LUFS Apple, AES Streaming Empfehlung

 

Welchen Normalisierungs Standards die jeweiligen Anbieter dazu folgen, um ihre Musik anzupassen, ist sehr technisch und würde für diesen Artikel zu weit gehen. Der von Spotify genutzte ITU-R BS.1770.4 Algorithmus soll hier für Interessierte trotzdem genannt sein.

 

Viel technischer Schnickschnack - aber was heißt das jetzt für mich?

 

Da in der Regel alle Plattformen mit einem verlustbehafteten Kompressionsverfahren arbeiten, ist es immer sinnvoll, deine Produktion möglichst dynamisch zu gestalten. Das beginnt schon mit 24 bit statt 16 bit, sprich mehr Dynamikumfang und einem geringeren Grundrauschpegel. Bei der Verwendung von 88.2 kHz oder 96 kHz als Samplerate im Mix kann man zudem das später benötigte Dither Rauschen im nicht hörbaren Frequenzbereich über 20 kHz verstecken. Ein weiterer kleiner Kniff, für ein sauberes Endprodukt.

 

Lass dir genug Headroom. Als gute Empfehlung ist der von Spotify ausgesprochene -1 dB true peak Headroom zu beachten, um sicher zu gehen, dass deine TItel auch nach der Konvertierung noch unter 0 dBFS bleiben. Aber Vorsicht - es kann bei sehr basslastigen und perkussiver Stücken durchaus vorkommen, dass peaks auch noch mehr als diesen einen dB Headroom aufbrauchen. Wenn du sicher gehen willst, können dir Tools wie ADPTR Audio Streamliner oder Sonnox Fraunhofer Pro-Codec helfen.

 

Entgegen der landläufigen Meinung ist die Lautstärke Normalisierung nicht der große Heilsbringer in puncto Lautheit und Loudness War. Ich erlebe in meinem Studio Alltag nach wie vor Künstler, denen der Titel noch nicht laut genug ist. Gut, wir müssen heute kein Album mehr auf -6 LUFS drücken, aber -14 LUFS sind oft zu wenig, denn: Das Genre bestimmt die Lautheit. Unterschiedliche Genre brauchen eine unterschiedliche klangliche Dichte und damit einen unterschiedlichen Grad an Kompression und Limiting, um richtig wirken zu können. Während ein Jazz Stück je nach Programm mit -14 LUFS hervorragend auskommen kann, wird eine House Track eher bei -9 oder -8 LUFS landen. Mein go-to Wert liegt je nach Genre zwischen -10 und -8 LUFS für lauteres Material und -12 bis -10 LUFS für seichtere Sachen.

 

Hör dir an und analysiere, was in deinem Genre gerade released wird und orientiere dich daran. Aber hab im Hinterkopf, dass mehr Dynamik im Gegensatz zur Überkompression zweifelsohne immer die bessere Wahl ist. Was gut für deine Musik ist entscheidet letztendlich dein Ohr und nicht eine Zahl.

 

- Johannes

 

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